Das Üben
- Valentina Kosch

- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Ein Instrument zu spielen ist ähnlich, wie Sport zu treiben. Durch regelmäßiges Training und Üben vervielfachen sich die Fortschritte. Entscheidend ist dabei aber nicht nur, wie oft geübt wird, sondern vor allem wie regelmäßig und sinnvoll geübt wird. Im Folgenden finden sich einige Anregungen, wie das Üben zu Hause gut gelingen und sich nach Fortschritt anfühlen kann.
Regelmäßiges Üben bringt die besten Fortschritte
Für jedes Instrument sind bestimmte motorische Fertigkeiten notwendig. Beim Blockflötenspiel steht vor allem die Koordination der Finger im Vordergrund. Diese entwickelt sich am besten durch regelmäßiges Üben.
Tägliche kurze Übeeinheiten sind dabei deutlich wirkungsvoller als eine lange Einheit pro Woche. Gerade zu Beginn reichen oft fünf Minuten pro Tag, um Fortschritte zu erzielen. Mit der Zeit werden die Stücke länger, die Konzentrationsfähigkeit wächst – und damit kann auch die tägliche Übezeit ganz natürlich angepasst werden.
Grundsätzlich gilt: Mehr Übezeit ist jederzeit möglich, entscheidend ist jedoch vor allem die Regelmäßigkeit. Üben sollte fest in den Alltag integriert werden. Bei Kindern kann das zum Beispiel bedeuten: Nach dem Mittagessen ist Flötenzeit. Solche festen Rituale schaffen Verlässlichkeit und erleichtern das Dranbleiben.
Dabei sollte die Rolle der Erziehungsberechtigten nicht unterschätzt werden. Kinder üben in der Regel nicht von sich aus, sondern brauchen Erinnerung, Struktur und Begleitung. Eine unterstützende Haltung hilft ihnen, das Üben als selbstverständlichen Teil ihres Tages wahrzunehmen. Dabei müssen die begleitenden Personen selbst nicht Blockflöte spielen können: Die Kinder wissen in der Regel genau, was sie üben sollen, und bei Fragen oder Interesse erkläre ich – oder das Kind selbst – die Übungen jederzeit gern.
Gestaltung einer Übeeinheit
Beim Üben ist es sinnvoll, nicht jedes Mal ein Stück einfach komplett durchzuspielen und die Flöte anschließend zur Seite zu legen. Effektiver ist es, gezielt vorzugehen. Häufig gebe ich dafür kleine zusätzliche Übungen mit, die sich gut als Einspielübungen eignen, bevor an den eigentlichen Stücken gearbeitet wird. Auch Tonleitern oder Dreiklänge sind dafür sehr hilfreich.
Alternativ kann man sich eine besonders anspruchsvolle Stelle aus einem Stück heraussuchen oder eine Griffkombination, die noch unsicher ist, und diese bewusst zum Einspielen nutzen. Mit zunehmender Spielerfahrung lernen die Schüler:innen, solche Übungen selbstständig zu finden. Am Anfang unterstütze ich diesen Prozess natürlich noch.
Hilfreich ist es außerdem, sich beim Üben selbst kleine, konkrete Ziele zu setzen. Zum Beispiel: Achte einmal besonders auf die Tonqualität, beim nächsten Durchgang darauf, dass die Finger sauber greifen, danach darauf, dass die tiefen Töne nicht quietschen oder dass die Atemstellen gut gewählt sind und genügend Luft vorhanden ist.
Unser Gehirn ist schnell überfordert, wenn wir uns zu viel auf einmal vornehmen. Deshalb ist es sinnvoll, kurze Abschnitte eines Stückes zu spielen und sich dabei jeweils auf einen einzelnen Aspekt zu konzentrieren. So entsteht Schritt für Schritt ein hörbarer Fortschritt.
Umgang mit schwierigen Stellen
Manchmal gibt es in einem Stück eine kurze Passage, die Schwierigkeiten bereitet, obwohl der restliche Teil bereits gut funktioniert. In solchen Momenten ist es wichtig, nicht zu verzweifeln. Oft handelt es sich nur um einen kleinen „Knoten im Kopf“, der sich mit gezielten Übungen lösen lässt.
Ein erster Schritt ist, bewusst Tempo herauszunehmen. Im sprichwörtlichen Schneckentempo entsteht wieder das Gefühl: Ich kann das. Sicherheit geht hier vor Schnelligkeit.
Hilfreich ist es außerdem, die Stelle in unterschiedlichen Rhythmen zu spielen, zum Beispiel punktiert in beide Richtungen oder mit anderen Gruppierungen. Dadurch wird die Passage neu wahrgenommen und motorisch besser verankert.
Anschließend kann das Tempo langsam und kontrolliert, idealerweise mit einem Metronom, gesteigert werden. Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen: Oft ist nicht die ganze Passage schwierig, sondern nur eine bestimmte Griffverbindung. Diese kann gezielt herausgelöst und einzeln geübt werden.
Weitere hilfreiche Techniken sind:
die Passage ohne den linken Daumen zu üben
die Blockflöte so zu drehen, dass die Grifflöcher nicht sichtbar sind
die Fingerbewegungen ohne Ton, also „still“, auszuführen
oder die Passage zunächst zu singen, um den musikalischen Verlauf zu verinnerlichen
Diese und viele weitere Übetechniken werden im Unterricht vermittelt und gemeinsam ausprobiert. Dabei wird immer individuell geschaut, welche Methode für den oder die jeweilige Schüler:in am besten funktioniert.
Fazit
Wer sich beim Üben eigene kleine Aufgaben stellt, bleibt konzentriert und vermeidet Langeweile. Regelmäßiges Üben ist dabei entscheidender als lange Übeeinheiten – und wenn die Freude an der Musik im Vordergrund steht, stellen sich Fortschritte ganz von selbst ein.
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